Fördermittelprojekt

»Massenentsäuerung von Zeitschriften, Losungen und Missionsschriften im Unitätsarchiv«

 

Fördermittel der Bundesregierung zur Erhaltung des schriftlichen Kulturerbes
Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Monika Grütters, hat 2018 Fördermittel in Höhe von insg. 2,5 Mill. Euro zur Erhaltung des schriftlichen Kulturerbes in Deutschland auf Grundlage der von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) 2015 vorgelegten Bundesweiten Handlungsempfehlungen ausgeschrieben. Darin wurde eine grundlegende Bilanz der Schäden und Gefahren aufgrund von Säurefraß, Schimmel und Schädlingen in Archiven und Bibliotheken in Deutschland vorgelegt. Insbesondere durch den rasant fortschreitenden Säurefraß drohen gravierende Lücken im kulturellen Gedächtnis. Um dem wirksam entgegenzutreten wurden sparten- und länderübergreifend konkrete Aufgabenfelder zur Rettung des schriftlichen Kulturgutes benannt, wonach Bibliotheken und Archive der Länder, Kommunen und anderen Einrichtungen, wie Kirchen und Stiftungen, bei Anwendung von Mengenverfahren wie Massenentsäuerung, Trockenreinigung oder Verpackung finanziell mit 50% gefördert werden sollen.

Säurefraß
Säurehaltiges Papier ist allgegenwärtig - auch im Unitätsarchiv. Im Gegensatz zu haltbarem Hadernpapier, das bei guten äußeren Bedingungen, nur sehr langsam altert, sind bei säurehaltigen Papieren die Abbauprozesse stark beschleunigt, sie weisen eine starke Vergilbung und hohe Brüchigkeit auf. Gründe für diese Phänomene liegen in der Zeit der Industrialisierung der Papierherstellung. Mit der Erfindung der sauren Harzleimung durch M. F. Illig (1806) und des Holzschliffs durch F. G. Keller (1844) konnte man dem immer schneller wachsenden Papierbedarf durch industrielle Herstellung gerecht werden, dafür aber enthielt das Papier einen großen Säureanteil, der es beschleunigt altern lässt und zum Papierzerfall (Säurefraß) führt. Das Papier ca. zwischen 1850 - 1980 gehört zu den am wenigsten dauerhaften Erzeugnissen in der Papiergeschichte und ist massiv vom Zerfall bedroht.

Der Fördermittelantrag des Unitätsarchivs Herrnhut
Schon lange wurde nach Möglichkeiten gesucht, die vom Säurefraß insb. stark gefärdete brüderische Zeitschriftensammlung des Unitätsarchivs für die Nachwelt zu bewahren. Gleiches gilt für die Sammlung der Losungen und die zahlreichen Hefte zur Mission der Brüdergemeine. Darum wurde im Frühjahr 2018 ein Fördermittelantrag für diese Bestände erarbeitet und im Sommer bei der KEK eingereicht. Unter den im September 2018 bewilligten Anträgen war auch der des Unitätsarchivs mit Befürwortung der Landesstelle für Bestandserhaltung in Sachsen. Die Entsäuerung, mit der das Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig (ZFB) beauftragt wurde, soll im Dezember 2018 begonnen und im Januar 2019 abgeschlossen sein.
Die evangelische Brüder-Unität, die 50% Eigenmittel einbringt, möchte mit diesem Schritt einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung des religiösen und kulturellen Erbes in Sachsen und darüber hinaus leisten.