B. Brüder-Unität in Europa\B.03. Deutsche Unitätsdirektion (1894-1945)

Deutsche Unitätsdirektion 1894 bis 1945

Laufzeit 1801 - 1961

Geschichte Akten der Deutschen Unitätsdirektion (1894-1945)
Mit der Unterzeichnung der Kirchenordnung der Evangelischen Brüder-Unität in Deutschland trat eine neue Verfassung für die Europäisch-Festländischen oder Deutschen Brüder-Unität in Kraft. Die Provinzialbehörde dieser Provinz hieß hinfort Deutsche Unitätsdirektion (DUD), die von einer Provinzialsynode gewählt wurde. In den Gemeinden wurden die bisherigen Leitungsgremien Ältestenkonferenz und Aufseherkollegium aufgelöst und von einem gewählten Ältestenrat ersetzt. Ebenso vollzog man eine klare Trennung zwischen dem Vermögen der Provinz und den Einzelgemeinden. Sitz der DUD blieb das Schloss in Berthelsdorf, in dem seit 1791 die Unitätsältestenkonferenz und seit 1857 die Provinzialältestenkonferenz residierten. Am 1. Oktober 1913 verlegte man den Sitz von Berthelsdorf in den Vogtshof in Herrnhut. Die DUD gliederte sich in Unterabteilungen: die Kirchen- und Schulabteilung (KSA) und die Finanzabteilung. Die Schulabteilung wurde 1905 als eigene Abteilung aus der KSA ausgegliedert. Die Aufgaben der Finanzabteilung gingen 1919 auf die selbständige Finanzdirektion über. Für die kirchliche Rechnungsverwaltung gab es seitdem einen Finanzdezernenten innerhalb der DUD. Ab 1. Jan. 1920 wurden die Angelegenheiten, die bisher von KSA und KA (Kirchenabteilung) besprochen wurden, in der Hauptsitzung von DUD behandelt. Damit verschwanden KSA und KA. Die Schulabteilung (SA) blieb weiterhin bestehen. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs teilte sich DUD: Zwei Brüder gingen über Ebersdorf nach Bad Boll, während die anderen in Herrnhut zurückblieben. Damit teilte sich die Europäisch-Festländische Provinz in zwei Distrikte, die jeweils eine eigene Synode und Kirchenleitung hatte. Mit dem Jahr 1945, in dem die Trennung vollzogen wurde, findet der Bestand der DUD einen logischen Abschluss.

Bestandsgeschichte Mit Inkraftreten der neuen Verfassung schloss der Registrator im Berthelsdorfer Schloss die alten Akten und fing eine neue Registratur an. Eine Umstellung in der Registratur erfolgte ab 1931, als eine hängende Aktenablage, das DIN A4-Format und ein neuer Aktenplan eingeführt wurde. Regelmäßig übergab man Akten ins Unitätsarchiv: 1909, 1913, 1931 (?), 1951, 1972. Im UA wurde eine Findliste erstellt, in der Ordnung, Aktenzeichen und Aktentitel der Registratur im Vogtshof beibehalten wurden. Die Akten der Finanzabteilung sind teilweise vor 1942 aus dem später verbrannten Herrschaftshaus übergeben worden; ein im Vogtshof vorhanden gewesener Teil kam erst 1951 ins UA. Die FA-Akten verzeichnete man in ein eigenes Findbuch, mit einer Signatur R.4. Da diese Signatur schon im UAC-Bestand vorhanden war, führte diese Bezeichnung zu Verwirrungen. 1997 wurde beschlossen, die Akten der DUD als Gesamtbestand (und nicht länger aufgeteilt nach Abteilungen) zu verzeichnen. Seit 2001 verzeichnete auch Esther von Ungern-Sternberg den Bestand mit. Ende 2003 konnte die Verzeichnung abgeschlossen werden.

Während der Verzeichnung stellte sich heraus, dass die Akten der FA mit Akten der FD, die die Arbeit der FA fortgesetzt hatte, vermischt waren. Das eigentliche Archiv der FD, die Sitz im Herrschaftshaus hatte, war am 9. Mai 1945 verbrannt. Vermutlich waren die FA-Akten 1919 als Retroakten der FD übergeben und sie wurden von der FD weitergeführt. Bei Übergabe an das UA waren die FA-Akten schon mit FD-Akten vermischt. Auf jeden Fall standen wir vor der Frage, ob die FD-Akten gesondert zu verzeichnen sind. Um die Einheit der Serien nicht zu durchbrechen und da es sich um eine geringe Zahl von Akten handelt, haben wir beschlossen, die Akten nicht auszusondern, sondern im DUD-Bestand zu belassen. Wo nötig wurde die Provenienz in der Titelbeschreibung oder in der Anmerkung angegeben. In einigen Akten befand sich Material vor 1894. Dieses wurde herausgenommen und gesondert im Bestand der PAC verzeichnet (in PAC; siehe auch Altbestand (R-Nummern)).

Bei der Verzeichnung wurde eine neue Systematik erstellt, da die alten Aktenpläne unzureichend und nicht zu vereinheitlichen waren. Die Akten sind nach Aufgabengebiete in folgende Rubriken geordnet: Allgemeine Akten, Beziehungen mit staatlichen Behörden, Beziehungen mit anderen Kirchen (Ökumene), Beziehungen mit der Gesamtunität, Beziehungen mit selbständigen Körperschaften in der DBU, Einberufung der Synode der DBU, Aufsicht über das Gemeinleben, Aufsicht über die Diaspora, Aufsicht über das Schulwerk, Vermögensverwaltung und Rechnungswesen, Aufsicht über die Gemeindiener und andere Mitarbeiter, Aufsicht über Einrichtungen der Brüder-Unität, Verwaltung des Unitätsarchivs und Aufsicht über die Ge-meinarchive, Verantwortung für Veröffentlichungen, DUD als Klage- und Berufungsinstanz, Ausübung der Gutsherrschaft, Feste und Jubiläen, Besondere Umstände (z.B. Kriege), interne Organisation der DUD, Dokumentation und Verschiedenes.

Nachfolger EFUD und DEBU

Inhalt Der Bestand enthält Akten, die sich auf die Leitung und Verwaltung der Brüder-Unität auf dem europäischen Festland beziehen. Wichtige Aufgabengebiete waren: Beschlussfassung, Beziehungen mit staatlichen Behörden und anderen Kirchen, Beziehungen mit der Gesamtunität, Aufsicht über das Leben und Vermögen der Gemeinden, der Schulen, der Diaspora, und der Einrichtungen und Betriebe der Brüder-Unität. Auch über Gemeinden, Einrichtungen und Betriebe, die 1945 verloren gegangen sind, liegt umfangreiches Material vor, das vor Ort durch Kriegseinwirkungen verloren gegangen ist.

Zugangsbestimmungen uneingeschränkt benutzbar

Zitierweise UA Herrnhut, DUD.[Nr.]

Literaturhinweis W.L. Kölbing, Die Geschichte der Verfassung der Evangelischen Brüder-Unität in Deutschland, Gnadenfeld [1900], 56-70. Dietrich Meyer, Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine, 1700-2000. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2000, 124-147.